Samstag, 20. September 2008

Höhenmetersammeln am Schäferberg

Ausschnitt Starterfeld Frauen

  Teil des Starterfeldes und "Ja, ich verspreche im nächsten Jahr 
                 weniger zu wiegen, falls ich an den Start gehe"

Der eine kämpfte mit der Kälte am frühen Morgen und die andere mit der Weltklasse von Hanka Kupfernagel und Co., aber beide bissen sich durch und hatten am Ende der Rennen gut 1.000 Höhenmeter gesammelt. Achja, der Dritte stieg aus und der Vierte "zwang" die Zweite zum durchfahren. Aber noch mal auf Anfang. Am Sonnabend, den 13. September, stand eines der schwersten Rennen in der Region Berlin/Brandenburg auf dem Programm. Man vermutet es kaum, aber Berlin hat doch den einen oder anderen Huckel zu bieten. Davon überzeugt haben sich in diesem Jahr Michaela Barz, Erik Süß und Andreas Haertel beim Rennen "Rund um den Schäferberg". Während die beiden Männer, ja gut, Andreas ist schon Senior, startete aber in der Männerklasse A,B,C, bereits um 8:00 Uhr am Start stehen mussten, stand Michaela um diese Zeit im fernen Eberswalde gerade auf. Erik mietete sich ein weiteres mal beim Fremdenzimmervermittler Andreas in Berlin Charlottenburg ein und konnte am Abend zuvor die Vorzüge eines begnadeten Koches genießen. Spaghetti Carbonara standen auf dem Speiseplan. Während Andreas genüsslich die Zutaten zusammenmischte, pflegte Erik seine Beine. Am Morgen des Rennens hieß um 7:00 Uhr die Wohnungstür zuschlagen und ab aufs Rad zum Start. Das Thermometer zeigte nur 7 Grad an, also mussten die neuen Wintersachen das erste mal zeigen was sie können - natürlich nur beim Warmfahren. Zum Rennen standen dann so manche in Sommerrennkleidung an der Linie, die meisten jedoch schalteten ihren Verstand ein und wählten einen Mittelweg, der zumeist oben lang und unten wadenfrei bedeutete. Schnell ging es nach dem Startschuss zur Sache, denn einige schienen wirklich stark zu frieren und sahen in der Attacke nach vorn die einzige Chance warm zu werden. Nach 3 von 11 zu fahrenden Runden war sodann das Feld auch schon gesprengt. Erik, der gleich zu Anfang ein super Hinterrad gefunden hatte und in den ersten Positionen rumschwirrte, wollte nun endlich mal nach hinten und bemerkte, dass da nicht mehr viel war. Auch den "Koch" Andreas hatte es entschärft. Erik kämpfte sich Runde um Runde durch und gehörte am Ende zu den wirklich wenigen B und C-Fahrern, welche im Feld überlebten. Die Freude darüber, erneut ein anständiges Rennen gefahren zu sein, setzte bereits gut 1 Kilometer vor Schluss ein und so entschloss Erik, auf das Gedränge im Zielspurt zu verzichten und rollte am hinteren Ende um die letzte 90 Grad Kurve zum Ziel. Eine gute halbe Stunde später stand es schwarz auf weiß, der 21. Platz für unseren kleinen Kämpfer - ein wirklich gutes Resultat.

Hanka nach der Siegerehrung

Hanka Kupfernagel wurde 2.    

Gerade als Erik und Andreas den Ort des Geschehens verlassen wollten, kamen wir an. Wir heißt in diesem Fall die einzige aktive Radrenn-sportlerin aus Eberswalde, Michaela, und der Chef himself Max. Erik gab noch kurz Rapport und den einen oder anderen Tipp und verschwand wieder in der Kälte des Tages. Auch wir Frauen mussten über 11 Runden, d.h. über gnadenlose 84 km, den Sieg ausfechten. Nun gut, die Vorentscheidung fiel wesentlich früher. Eigentlich bereits am Start, als ich mich mit einigen wenigen "Normalos" unter Sportlerinnen wie Hanke Kupfernagel, Stephanie Pohl, Birgit Hollmann und einer gesamten BDR-Auswahl wieder fanden. Mein erstes Lizenzrennen in diesem Jahr stellte sich also gleich als "Kampf ums Überleben". Ja und was soll ich sagen, ich überlebte ganze zwei Runden. Nachdem in der ersten Runde gleich am steilsten Stück des Rennens - eine echte Wand, die sich da in den Weg stellte - ein "Fressgutschein" über 20 € ausgefahren wurde und das halbe Feld wie verhungert voll Anschlag ging, um diesen zu gewinnen, war die zweite Runde etwas "entspannter". In der dritten Runde wollten es einige dann wissen und sprengten am Wannseeberg mit 48 km/h das Feld und mich gleich komplett. Mit 10 Meter Abstand fuhr ich mit über 68 km/h die folgende Abfahrt, doch ich machte nicht einen Meter gut und nach der 90 Grad-Kurve in den Anstieg hinein waren auf Grund meiner "hervorragenden" Kurventechnik aus den 10 Metern alsbald 30 Meter geworden. Nach der dritten Zieldurchfahrt dachte ich ans Aussteigen, doch schon der Ansatz der Überlegung wurde durch die Anweisungen des Chefs am Streckenrand untergraben. "Los fahre, da sind noch einige hinter dir...", brüllte Max. Toll, ich gab alles und wartete als Einzelkämpfer 6 weitere Runden darauf, dass von hinten abgefallene Fahrerinnen zu mir aufschlossen. Endlich kam eine Vierergruppe, doch es waren keine abgefallenen, sondern die Spitze des Rennens mit Hanka und Stephanie. Anderthalb Runden biss ich mich wieder am Hinterrad fest und rettete mich so am Ende vor der Rundung des Hauptfeldes. Am Ende der Qualen lag ich auf dem 20. Platz und sicherte mir damit meinen ersten rad-net-Ranglistenpunkt. Fazit: "Rund um den Schäferberg" ist eigentlich ein schönes Rennen, wenn man a) kein Übergewicht hat  b) es nicht als erstes Lizenzrennen in der Saison angeht c) nicht unbedingt Gegner à la Kupfernagel und Pohl hat d) Kurven- und Feldfahren kann.

Liebe Grüße, Eure Michaela

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